ENDLICH ZU HAUSE

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VON GRUPPE DREI

ENDLICH ZU HAUSE
Topoi, Klischees, Kitsch und Heimat ...

„Endlich zu Hause“, also vollends, quasi final. Zu Hause sein ist eine endliche Angelegenheit. Zumindest in unserer Zeit weiß man nie genau, ob man wirklich zu Hause ist, wie lang und wie sicher, oder ob da nicht im nächsten Moment eine Vertreibung auf einen
wartet. „Die Gesellschaft ist mobiler geworden“, heißt es dann.
Tatsächlich hat sich die traditionelle Vorstellung von Heimat im Sinne eines Geburtsortes, der zugleich lebenslanger Wohnort bleibt, fundamental verändert.

Das hat jede Menge Konsequenzen: Identität, soziale Umgebung, Konsum- verhalten..., alles ist gewissermaßen „mobil“ geworden. Gerade in kleinen und mittleren Gemeinden haben beispiels- weise Vereine allergrößte Mühe, am Leben zu bleiben. Nahversorgung durch kleine „Vollsortimenter“ ist meistens ein Ding der Unmöglichkeit. Kaufkraft wandert mit den Auspendlern weg. Nicht selten rolliert die Bevölkerung an den meisten Orten jährlich zwischen 5 % und 7 %. Für die Zugezogenen ist in aller Regel der neue Ort eine „Wohn-gemeinde“. Kontakt entwickelt sich gerade noch zur direkten Nachbarschaft, aber in die sozialen Bestands-Strukturen wird nicht vorgedrungen. Beide Seiten wünschen das meistens auch nicht wirklich. So verlieren viele Orte an Identitätskraft, werden zu Heimat auf Zeit, und auch das nur sehr begrenzt.

 

Wen wundert es da, dass man mit der Suggestion von Heimat, mit roman-tischen Vorstellungen und Idealismen, Sehnsüchte nach Stabilität und Ordnung befriedigen kann? Die Romantik zu
Beginn des 19. Jahrhunderts – als Gegenbewegung zur Aufklärung und ersten industriellen Revolution – fand in den Bildern eines Caspar David Friedrich, Phillip Otto Runge, Carl Spitzweg oder in der gesamten Land- schaftsmalerei des 19. Jahr- hunderts ihren Ausdruck. Auch in der Musik: Beethovens erster Satz seiner 6. Symphonie „Erwachen heiterer Empfin-dungen bei der Ankunft auf dem Lande“ war um 1800 Ausdruck romantischer Empfindungen vom gleichsam arkadischen Leben im „Ländlichen Raum“ – so würden wir heute sagen.

Ganze Malermanufakturen malten an Idealbildern des Alpenraums. Setzten Hütten mit friedvoll verweilenden Menschen vor ebenso friedvoller Land- schaft in Szene. Tausende von Mal entstanden damals Gemälde, Kupfer-stiche und Lithografien mit immer ähnlichen Motiven. Bis heute hält eine gewisse Verklärung des Alpenraums an, aber auch manch ländlicher Gebiete neuerdigs, wie beispielsweise dem Schwarzwald. Zwischen „Landlust“ oder „LiebesLand“ lesen und tatsächlich dorthin ziehen, besteht aber ein himmelweiter Unterschied!

 

Jetzt also der Schwarzwald. Heimat. Heimat. Heimatland!

Schwarzwald ist hype! Kuckucksuhren von traditionell bis dekorativ poppig, Bollenhüte jedweder Machart, Trachten-trägerinnen mit Nasenring... alles geht! Was vor 20 Jahren undenkbar war,
weil wenigstens die Trachtenvereine Einhalt geboten, wird heute zeitgemäß kommerzialisiert. Wir selbst, GRUPPE DREI, sind an dieser Entwicklung nicht unschuldig. Die konzertierten Anstrengungen vieler Protagonisten haben den Schwarzwald touristisch
so aufgewertet, dass er heute zu den attraktivsten Destinationen Europas zählt. Das ist gut so, denn sonst würden wir womöglich Verhältnisse wie im Hunsrück oder in der Eifel hier vorfinden. Das kann niemand wollen!

Topoi, Klischees, Kitsch und Heimat ... es sind eben die Erwartungen vieler Menschen, die es so überaus gemütlich finden, nur bekannte Muster wahr- nehmen zu müssen. Der Schwarzwald hat allerdings auch an seiner Authentizität gearbeitet: Produkte mit regionalem Herkunfts-nachweis, Natur-erlebnis in unter-schiedlichsten Ausprägungen, Attraktivitäten für sportlich Ambitionierte, erstklassige Wanderwege, authentische Gastronomie und ein durchgängiger Genussfaktor, der keineswegs selbstverständlich ist – all

das und noch viel mehr hat den Schwarzwald bislang davor bewahrt, dass er zum Auswanderungswald geworden ist.

Das darf man bei all den Schwarzwald-schablonen und einem teilweise wirklich gut gemachten Schwarzwaldpop nie vergessen. Ob ein Mittelgebirge deshalb mehr Heimat ist als sonstwas, darüber kann man trefflich streiten. Heimat ist aber halt ein Epochenthema und immerhin ein buntes – das war ja schon mal ganz anders in Deutschland.


Highmat ist andererseits auch Ausdruck von Selbstbewusstsein:
„Bollenhut und Hightech“! Lange, lange haben wir zu den Bayern geschielt. „Laptop und Lederhosen“ hat uns immer fasziniert. Was dort selbstverständlich ist, nämlich zum Beispiel in der
Lederhosen mit dem Ferrari an die Tankstelle zu fahren, das geht bei uns nicht so ohne Weiteres. Schwarzwälder und Heubergler verstecken ihre Wert- sachen immer noch lieber außer Reichweite neidvoller Blicke: Stockach, Sipplingen, Ludwigshafen, Bodmann,
Überlingen und Allensbach, die gesamte Höri... alle freuen sich darüber!


So gesehen ist sogar Highmat ein scharfes zweischneidiges Schwert!